Ratgeber Süsswasser





Kleine Süßwasser-Aquarienfibel für Anfänger



Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zum Einstieg in die Aquaristik. Alle Angaben sind "pi mal Daumen" und können je nach Aquarium voneinander abweichen. Das mag für den Anfänger verwirrend sein, verwirrter wäre er allerdings wahrscheinlich ohne irgendeine Anleitung. Die richtigen Werte für Ihr Aquarium finden Sie später von alleine heraus. Nutzen Sie auch das große Angebot an Fachliteratur um weitere Informationen einzuholen. Die beste Informationsquelle und Hilfe in allen Lagen sind andere Aquarianer.

 

1. Warum ein Aquarium?

Nach amerikanischen Studien sinken bei 30 Minuten Aquariumbeobachtung der Blutdruck und Pulsschlag merklich ab, wäre das vielleicht schon ein Anreiz? Seitdem in meinem Büro ein Aquarium steht habe ich jedenfalls immer die Gelegenheit, einige Zeit bei meinen nassen Freunden zu verbringen, Ihre Verhaltensweisen zu beobachten und dabei ein wenig Ruhe zu tanken. Die günstige Beeinflussung des Raumklimas durch eine geringfügige Erhöhung der Luftfeuchtigkeit soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Ein Aquarium bildet einen faszinierenden Mikrokosmos, der aus vielen voneinander abhängigen Elementen besteht: Wasser, Wärme, Licht, Nährstoffe, Giftstoffe, Strömung, Biologie, Chemie und auch ein bißchen Mathematik. Ihnen als "Herrscher" über diesen Kosmos obliegt es, das biologische Gleichgewicht zu stabilisieren und langfristig für gute Lebensbedingungen zu sorgen. Wer also früher gerne mit Legosteinen gespielt hat dem wird dieses Hobby sicherlich gefallen.

In erster Linie soll ein Aquarium und seine Bewohner den Betrachter mit seinem Anblick erfreuen. Daß man sich mit einem Aquarium eine kleine Welt nach Hause holt setzt ein gewisses Maß an Verantwortungsbewußtsein voraus. Daher eignen sich Aquarien nicht als Hobby für Kinder, die sehr schnell die Lust am vermeintlich langweiligen Glaskasten verlieren werden. Wenn aber die Erwachsenen die Hauptverantwortung für das Aquarium übernehmen, dann werden auch kleine Kinder durch die Übernahme von einzelnen Aufgaben an den Umgang mit anderen Lebewesen herangeführt.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen sich ein Aquarium anzuschaffen dann rechnen Sie damit, daß Sie eine längere Zeit mit diesem Hobby verbringen werden. Dies liegt z.B. daran, daß ein Aquarium mit seinem enormen Gewicht nicht in einer halben Stunde auf- oder abgebaut ist. Wollen Sie wirklich ein richtiger Aquarianer werden, dann rechnen Sie für Ihr neues Hobby besser in Monatsdimensionen. In solchen Zeiträumen können Sie nämlich erst Veränderungen wahrnehmen, die Sie evt. durch Beeinflussung von Umweltfaktoren herbeiwünschen. In der gleichen Zeit kann aber das Auftauchen eines ungebetenen Gastes dem Aquarianer Kopfschmerzen bereiten. Die Anschaffungskosten eines Aquariums sind recht hoch, dafür werden Sie bei diesem Hobby nur gelegentlich das eine oder andere später dazukaufen müssen. Nun gut, wenn ich mich recht erinnere dann habe ich schon häufiger mal das ein oder andere dazugekauft, aber ich hätte es nicht machen müssen. Obwohl, seit ich meine CO2-Düngeanlage habe...na lassen wir das erstmal.

Der Einstieg beginnt mit Sets für ca. 60 Euro (54l), besser sind etwas größere (96l) Becken die Sie im Set für ca. 100 Euro bekommen. Hauptentscheidend für den Anschaffungspreis eines individuell zusammengestellten Sets sind die Wahl von Filter- (Innen-/Außenfilter) und Beleuchtungsart (Neonröhren/HQI- oder HQL-Strahler) Der Betrieb des Aquariums fällt mit sehr geringen Kosten kaum mehr ins Gewicht.

Am besten besuchen sie zum Einstieg in Ihr neues Hobby zunächst einmal einige andere Aquarien. Dies ist z.B. möglich im Tierpark Bochum, welcher mehrere kleine und große Aquarien beinhaltet. Andere Adressen sind der Aqua Zoo in Düsseldorf oder der Burgerzoo in Arnheim. Danach sollten Sie andere Aquarianer besuchen und sich von diesen etwas über den nötigen Zeitaufwand zur Pflege des Aquariums erzählen lassen. Wundern Sie sich nicht, wenn die Aussagen von "jeden Tag 2 mal 5 Minuten und am Wochenende noch einmal 1 Stunde" bis "jeden Tag mindestens eine Stunde" reichen. Auch hat jeder seine eigenen Patentrezepte und Wundermittelchen. Diese Unterschiede können durch das Engagement oder den "nassen Daumen" herrühren: ein gut eingelaufenes Aquarium benötigt nur sehr wenig Pflege. Zuviel Pflege kann dem Aquarium sogar schaden.

 

2. Was für ein Aquarium?

Als Aquarium bezeichne ich die Gesamtheit folgender Dingen:

das Becken (offen oder geschlossen) die Beleuchtungsanlage (Neonröhren, HQL-/HQI-Leuchten, hängend oder im Deckel installiert) der Filter (Innen- oder Außenfilter, verschiedene Filtertypen) die Heizung (Stabheizung, Bodenheizung, im Filter integriert) und ein Thermometer zur Überwachung der Temperatur ein Unterschrank Fische Pflanzen Bodengrund Utensilien Eine Luftpumpe mit Ausströmstein sollte jeder Aquarianer für Notfälle griffbereit im Schrank liegen haben.

 

2.1 Das Becken

Stand der Technik sind momentan silikonverklebte Ganzglasbecken. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist das Volumen des Beckens. Der Einstieg in das Hobby gelingt bereits mit 54l Aquarien, müheloser und unwesentlich teurer sind die 96l Becken. Ab 140 Liter kann man dann wirklich von einem Aquarium sprechen, alles ab 1 Meter Breite (ab 160 Liter) und darüber läßt Schwärme erst richtig zur Geltung kommen (man sieht den Schwarm "ziehen").

Von den zur Zeit angebotenen Mini-Becken mit 20 oder 30 Litern kann ich einem Anfänger nur dringend abraten: in diesen ist das ökologische Gleichgewicht so instabil, daß sie eher ein Fall für Profis sind. Wobei ein Profi sich so ein kleines Becken nicht kaufen wird, weil er darin den Bewohnern niemals vernünftige Lebensbedingungen bieten kann.

Je höher das Becken ist desto wohler werden sich die Fische und Pflanzen fühlen. Eine Beckenhöhe von 40 cm sollte nicht unterschritten werden. Eine Information an die Hausratversicherung über das Aquarium sollte ausreichen um den Versicherungsschutz nicht zu verlieren. Evt. müssen Sie einen kleinen Zuschlag zu Ihrer Prämie zahlen. Der Bruch oder Undichtigkeiten von Becken kommen heute kaum vor.

Einige gängige Beckenmaße:

60 x 30 x 30

54

65

nur eine Notlösung, absolut NICHT empfehlenswert!

60 x 30 x 40

72

88

hiermit gehts los

80 x 30 x 40 

96

115

noch besser

100 x 40x 40 

160

200

ein richtiges Aquarium

2.2 Die Beleuchtung

 

Für den Anfänger empfiehlt sich ein Becken mit Abdeckung, in der Neonröhren installiert sind. Der spätere Wechsel zum für viele schöneren offenen Becken ist einfach. Die Stromkosten halten sich mit Neonröhren in Grenzen, sie sollten aber alle 6 Monate einen Wechsel der Leuchtmittel vornehmen. Wechseln Sie am besten nicht alle Röhren gleichzeitig, sondern sukzessive und lassen Sie sich mit dem Wechsel der nächsten Röhre ruhig 2 Wochen Zeit. Dies kommt den Pflanzen zugute, für die ein Wechsel Streß bedeutet. Die Beleuchtungsdauer sollte 8-12 Stunden betragen, regelmäßig (Zeitschaltuhr!) sein und ohne Unterbrechungen erfolgen. Eine Dauer von 10 Stunden gilt aus Faustregel, hiervon kann abhängig von Pflanzenwachstum und evt. Algenbefall nach oben oder unten abgewichen werden. In Extremfällen (Blaualgen) kann auch eine mehrtägige Dunkelkur helfen. Den Fischen schadet eine mehrtägige Dunkelheit nicht, in dieser Zeit sollte aber wenig gefüttert werden. Gesunde Pflanzen werden diese ebenfalls überstehen.

Die Regelmäßigkeit der Beleuchtung kommt den Fischen zugute (weniger Streß), die Dauer den Pflanzen (Photosynthese). HQL- oder HQI-Leuchten machen nur bei einem offenen Becken Sinn und erzeugen mit ihrem kräftigen Licht schöne Effekte bei Bewegung der Wasseroberfläche.

2.3 Der Filter

Der Filter ist die Kläranlage des Aquariums. In ihm wird das Wasser durch mechanische und biologische Vorgänge permanent aufbereitet. Ein Filter darf niemals für längere Zeit ausgeschaltet werden, ansonsten können sich in ihm Faulstoffe bilden die die Fische vergiften. Bei einem Umzug z.B. sollte man den Filter in einem Eimer weiterlaufen lassen. Ein Abschalten von bis zu 1h z.B. beim Wasserwechsel stellt aber kein Problem dar.

"Anfängeraquarien" werden oft im Set mit einem sog. Innenfilter gekauft. Dieser sitzt im Becken und sorgt dort für die Aufbereitung des Wassers. Nachteile des Innenfilters sind erstmal seine Anwesenheit im Becken, d.h. der Filter sieht zwischen den Pflanzen nicht besonders elegant aus. Zum anderen besitzen diese Filter eine sehr geringe Leistung, da das Volumen des Filtermaterials und die Literleistung im Vergleich zum Außenfilter sehr gering ist. Von Vorteil ist hier alleine der günstigere Preis.

Der Außenfilter schlägt den Innenfilter in allen Bereichen: nur der Zufluß und Abfluß sind im Becken zu sehen, zudem können diese beliebig gewählt werden, z.B. ein Oberflächenabzug oder ein kleiner Wasserfall als Zulauf. Volumen und Literleistung sind wesentlich höher so daß eine sichere Klärung des Wassers gewährleistet ist. Die Außenfilter müssen passend zur Beckengröße gekauft werden, da das Wasser sonst überfiltert werden kann was dann den Fischen und Pflanzen schadet.

2.4 Die Heizung

Normalerweise werden Stabheizungen mit eingebautem Thermostat verwendet, die in das Becken gehängt werden. Der Königsweg ist hier der Außenfilter mit eingebauter Heizung, mit diesem ersparen Sie sich auch ein weiteres Gerät im Wasser.

Sie sollten vor der Ersteinrichtung des Beckens an den Einsatz einer zusätzlichen Bodenheizung denken, diese kann nicht nachträglich installiert wird. Die Bodenheizung sorgt dafür daß Ihre Pflanzen auch bei uns warme Füße haben: wichtiger ist jedoch der Effekt der ständigen Wasserzirrkulation durch den Bodengrund, so daß dieser gleichzeitig als Filter wirkt.

Ein Schwimm- oder Klebethermometer dürfen Sie nicht vergessen, um die Funktion der Heizung zu überprüfen. Die Heizung wird je nach Fisch- und Pflanzenbesatz auf eine Temperatur eingestellt, aus Faustregel wählen Sie hier zunächst 26 Grad Celsius.

 

2.5 Der Unterschrank

Eiche, Buche, schwarz oder weiß; der Fachhandel hält hier genügend Modelle bereit. Wenn Sie einen bereits vorhandenen Schrank verwenden sollten so müssen Sie diesen verstärken, damit dieser das Gewicht des Aquariums über eine lange Zeit verkraften kann. In diesem Fall empfiehlt sich auch, eine mehrfach verleimte Tischlerplatte von deutlich mehr als 12 mm Stärke unter das Aquarium zu legen, um die Standfestigkeit des Möbels zu erhöhen und das Durchbiegen des Beckenbodens zu verhindern. Auf die Stellfläche wird eine Aquarium-Matte gelegt, die kleine Unebenheiten ausgleicht.

 

2.5 Die Fische

Die Auswahl ist riesengroß und für den Anfänger verwirrend. Lassen Sie sich durch den günstigen Preis der Fische nicht dazu verleiten, anfangs zu viele Fische einzukaufen. Bedenken Sie daß Sie die Fische als Jungtiere kaufen und diese im Laufe einiger Monate ihre Größe verdoppeln werden!

Als Faustregeln für den Kauf von Fischen haben sich bewährt:

 

- Kaufen Sie nicht im Baumarkt: hier sind Beratung und das Wissen über die Gesundheit der Fische zumindestens fragwürdig. Kaufen Sie die Fische nur im Fachhandel, auch wenn Sie dort einige Cent mehr bezahlen müssen. Geiz ist hier nicht geil sondern voll daneben. Außerdem wird der Fachhändler Ihre Fische auch wieder in Zahlung nehmen wenn diese zu groß geworden sind oder sich nicht mit den anderen Fischen vertragen. Diesen Punkt sollten Sie vor dem Kauf aber klären.

- Beachten Sie die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser). So benötigen Skalare z.B. ein Becken mit mindestens 100 Liter und einer Höhe von 40, besser 50 cm mit dichtem Pflanzenbewuchs.

- Kaufen Sie nur Fische die die gleichen Anforderungen an Temperatur und pH-Wert stellen (Fachhandel bzw. Bücher befragen).

- Kaufen sie nicht mehr als 4 oder 5 verschiedene Arten für Ihr Becken. Ein zu starkes Mischen von Arten führt dazu, daß diese sich gegenseitig permanent stören und daher an Streß verenden können. Außerdem sieht ein solches Becken vielleicht bunt aus, mit einer klaren durchdachten Linie stellt sich Ihr Becken aber viel besser dar.

- Kaufen Sie Fische für die untere (z.B. Panzerwelse und Antennenwelse) und obere (z.B. Skalare, Keilfleckbarben) Wasserschicht, Vergesellschaften (~ eine Lebensgemeinschaft bilden durch die Vergesellschaftung) Sie in einer Schicht nur zueinander passende Arten, d.h. entweder nur friedliche oder nur kämpferische Arten und wählen Sie keine Fische, die sich gegenseitig fressen (z.B. frißt der Skalar den Neonfisch, der Kampffisch oder der Kugelfisch können andere Arten durch ihr agressives Verhalten in den Tod treiben). Bei der Auswahl der Fische sollten sie sich in einem guten Zoofachgeschäft (hier in Herne kann ich Zoo Zenner für den Aquarienbereich guten Gewissens empfehlen) oder anderen Aquarianern beraten lassen.

- Vorsicht bei Guppys: der beliebteste Süßwasserfisch vermehrt sich unentwegt. So schön diese "Zuchterfolge" auch sein müssen so stellen Sie ein Problem dar, weil sich irgendwann zu viele Fische in Ihrem Becken befinden und das biologische Gleichgewicht kippt.

 

2.6 Die Pflanzen

Ihnen wird recht schnell auffallen daß die Pflege der Pflanzen anfangs schwieriger ist als die Pflege der Fische. Kaufen Sie daher zunächst nur robuste und schnellwachsende Pflanzen; durch das schnelle Wachstum treten die Pflanzen in Konkurrenz zu den allgegenwärtigen Algen, die sich dann nicht vermehren können. Robust sind z.B. Valisnerien oder die Wasserpest, auch der indische Wasserfreund wird Ihnen anfangs nicht allzuviel Kopfzerbrechen bereiten.

Übrigens unterscheiden sich die Pflanzen über ihre Art Nährstoffe aufzunehmen: die meisten Wasserpflanzen nehmen diese, anders als Landpflanzen, auch über die Blätter auf. Daher sind eine ausreichende Strömung und Wasserdünger wichtig für Ihr Becken.

 

2.7 Der Bodengrund

Sie sollten heute nur noch abgerundeten Bodengrund kaufen können, an dem sich die Fische nicht verletzen können. Dunkler Bodengrund wird von vielen Fischarten bevorzugt und bringt die Farben der Fische und Pflanzen richtig zur Geltung. Ein komplettes Auswaschen des Bodengrundes ist nur ca. alle 3-4 Jahre notwendig. Die regelmäßige Pflege, d.h. das Entfernen von überschüssigem Futter und abgestorbenen Pflanzenteilen geschieht beim wöchentlichen Teilwasserwechsel. Je gröber der Bodengrund desto besser wird dieser durchflutet. Bei der Verwendung von Sand können sich leicht Faulstellen bilden, die die Wasserqualität mindern.

Bei dem ersten Einbringen des Bodengrunds sollten Sie den Bodendünger nicht vergessen. Dieser ist ein Langzeitdünger der die Pflanzen auch über die Wurzeln mit Nährstoffen versorgt.

 

2.8 Utensilien

Ein Kescher, eine Mulmglocke für das Absaugen des Bodengrunds und 2-3 Eimer, die ausschließlich für die Aquaristik benutzt werden genügen zunächst. Dazu noch etwas Fischfutter und Pflanzendünger und es kann im Prinzip losgehen. Vor dem Einsetzen der ersten Fische müssen Sie auf jeden Fall Wassertests durchführen. Die gelingt am Anfang am besten mit Teststreifen, die Sie mit der Schere längs zerschneiden können um die doppelte Anzahl von Tests durchführen zu können.

 

3. Becken einrichten

3.1 Standortwahl

Stellen Sie das Becken an einen ruhigen Platz (nicht in die Nähe einer Tür), von 3 Seiten zugänglich (für die Pflege) und ohne die Möglichkeit der direkten Sonneneinstrahlung auf (kann erhebliche Algenprobleme bereiten). Bedenken Sie daß die Aquarienbeleuchtung nicht nach Belieben an- und ausgeschaltet werden darf, das Licht sollte Sie also nicht stören. Ein Aquarium mit einem hochwertigen Filter erzeugt keine Geräusche und kann daher auch im Schlafzimmer betrieben werden. Die Nähe einer Steckdose ist auch wichtig damit Sie die elektrischen Geräte (Filter, Heizung, Beleuchtung) anschließen können.

3.2 Bodengrund und erste Wasserschicht einbringen

Vorsichtige Naturen können das Becken zunächst auf dem Balkon oder in der Waschküche befüllen um die Dichtigkeit zu testen. Dafür muß das Becken auf einer absolut planen Oberfläche und der Aquarienmatte stehen. Hilfreich ist hier die bereits oben erwähnte mehrfach verleimte Tischlerplatte mit mindestens 12mm Dicke.

Wenn Sie das Becken an seinen endgültigen Standort gebracht haben gehts wie folgt weiter: Verlegen Sie in dem mit klarem Wasser gereinigten Becken zunächst die Bodenheizung. Streuen Sie dann eine 5-7 cm hohe Schicht des gut gewaschenen Bodengrundes in das Becken, hinten höher, vorne niedriger. Bringen Sie dabei den Langzeitdünger gemäß Herstellerangaben ein. Füllen Sie dann auf ca. 10 cm Höhe handwarmes (26 Grad wären optimal) Wasser in das Becken. Wenn Sie dieses über einen auf dem Bodengrund stehenden Teller tun trübt das Wasser nicht so stark ein.

3.3 Pflanzen und Dekoration einsetzen

Hohe Pflanzen nach hinten, niedrige nach vorne. Verteilen Sie die Pflanzen nicht wild im Becken sondern setzen Sie Pflanzen einer Art in Gruppen zusammen. Beachten Sie den Platzbedarf (z.B. Amazonasschwertblatt braucht sehr viel Platz zu allen Seiten, Valisnerien sehr wenig). Bohren Sie vor dem Einsetzen mit dem Finger ein Loch in den Boden, setzen Sie die Wurzel gerade ein und ziehen Sie die Pflanzen nach Festdrücken des Bodengrundes etwas nach oben, damit sich die Wurzel aufrichten kann, Die Pflanzen sollten vor dem Einsetzen sehr gut und lange unter fließendem waren Wasser gereinigt werden, um nicht sichtbaren Schneckenlaich zu entfernen.

Wenn Sie Ihrem Aquarium ein schönes Aussehen verleihen möchten dann können Sie Wurzeln und Steine mit in das Becken integrieren (wenn Sie später Antennenwelse einstezen wollen dann müssen Sie sogar Wurzeln integrieren, da diese von Antennenweselen abgeschabt werden). Setzen Sie die Wurzeln schräg in das Becken um eine optische Linie vom Vordergrund zum Hintergrund zu erzeugen. Alle Wurzeln müssen vor dem Einsetzen mindestens eine Nacht lang gewässert werden und färben das Wasser anfangs etwas ein, was aber harmlos ist. Verwenden Sie nur Wurzeln und Steine aus dem Aquariumzubehör; so ist sichergestellt daß Sie keine ungeeigneten Materialien einsetzen. Übrigens sollten Sie die Muscheln, die Sie im Urlaub am Strand gesammelt haben, keinesfalls in das Becken bringen, da diese das Wasser aufhärten was nicht gewünscht ist.

3.4 Wasser auffüllen und Geräte in Betrieb nehmen

Füllen Sie nun das Becken bis knapp unter den Rand der oberen Glasstreben mit handwarmem Wasser auf. Hierbei hilft eine Styroporplatte auf der Wasseroberfläche, über die Sie das Wasser dann ohne starke Verwirbelungen in das Becken laufen lassen. Nun nehmen Sie Filter, Beleuchtung und Heizung in Betrieb. Beobachten Sie die Heizung, wenn sich dort Luftblasen absetzen dann streifen Sie diese vorsichtig mit Ihrer Hand ab (nach Ziehen des Netzsteckers, bei einem Stromschlag im Wasser sinken ihre Überlebenschancen rapide ab).

Fügen Sie jetzt noch keinen Wasserdünger zu, dies machen Sie am besten erst 4 Wochen nach Inbetriebnahme Ihres Aquariums.

Und nun:

3.5 Warten

Spätestens an diesem Punkt werden Sie merken, daß Sie als Aquarianer viel Geduld für Ihr Hobby mitbringen müssen. Das Becken sieht jetzt nämlich wenig einladend aus: durch die starke Wassertrübung und die vielen Luftblasen an den Scheiben können Sie kaum etwas erkennen. Nach einem halben Tag sieht die Sache schon ganz anders aus, nun ist auch der Zeitpunkt für eventuelle Korrekturen des Pflanzenbesatzes gekommen. Jetzt sieht das Aquarium schon fast aus wie gewünscht!

Nach einigen Tagen ereilt Sie wahrscheinlich der erste Schock: das Wasser ist stark weißlich eingetrübt! Dies ist eine sog. Bakterienblüte, die relativ harmlos ist und von alleine so schnell verschwindet wie sie gekommen ist, also keine Panik. In Ihrem Becken bildet sich im Lauf der folgenden Wochen ein Gleichgewicht, welches anfangs noch sehr starken Schwankungen unterworfen ist. Setzen Sie jetzt noch keine Fische ins Becken, diese würden die momentanen Wasserwerte wahrscheinlich nicht überstehen. Das einzige was Sie jetzt machen können ist abzuwarten und den Fischbesatz zu planen.

 

Nach 2 Wochen können Sie mit den ersten Wassertests beginnen (das Einsetzen von zusätzlichen Bakterien verkürzt dem verantwortungsvollen Aquarianer diesen Zeitraum übrigens entgegen von Herstellerbehauptungen nicht). Prüfen Sie mit einem Teststreifen die wichtigsten Wasserwerte:

Nitrit (optimal: 0 mg, langfristig 0,3 mg oder weniger) Nitrat (0-50 mg, langfristig möglichst nicht mehr als 25 mg) pH-Wert (je nach Fischbesatz meistens 7 oder weniger, je nach Fisch- und Pflanzenarten) Gesamthärte (zwischen 6 und 16 Grad deutscher Härte, je nach Fisch- und Pflanzenarten) Karbonathärte (zwischen 3 und 10 Grad deutscher Härte, je nach Fisch- und Pflanzenarten)

Wenn Sie diese Werte über einen Zeitraum von 1 Woche erreichen dann ist Ihr Aquarium "eingefahren" und Sie können mit dem Fischbesatz beginnen. Sie sollten die Fische in mehreren Schüben einsetzen, nicht alle auf einmal. Beginnen Sie mit algenfressenden Fischen, dann mit weiteren Bodenfischen und am Schluß mit den Bewohnern der oberen Wasserschicht. Zum Einsetzen der Fische schalten Sie die Beleuchtung aus und legen den Beutel mit den Fischen auf die Wasseroberfläche, um die Temperatur anzugleichen. Nach 10 Minuten beginnen Sie langsam, die Fische an das Wasser Ihres Aquariums zu gewöhnen indem Sie nach und nach die beiden Wassersorten vermischen. Hierzu können Sie Löcher in den Beutel stechen oder per Hand Wasser durch die Öffnung geben. Nach einer halben Stunde ist dieser Vorgang abgeschlossen und Sie können die Fische aus dem Beutel in Ihr Becken schwimmen lassen. Helfen Sie dabei nicht zu sehr nach, dies verstößt gegen die Aquarianerehre! Die Fische müssen aus eigenem Willen in Ihr Becken schwimmen, dann fühlen Sie sich darin auch später wohler. Ehrlich. Die Fische werden sich zunächst wohl verstecken um die ungewohnte Umgebung dann nach und nach in Augenschein zu nehmen, also wieder einmal: Geduld!

 

4. Regelmäßige Aquarienpflege

Für alle folgenden Arbeiten gilt: führen Sie diese nur aus wenn Sie genügend Muße dafür haben, also nicht zwischen Tagesschau und Krimi. Wenn Sie zu hektisch arbeiten dann verschrecken Sie die Fische und übersehen evt. das ein oder andere wichtige. Wenn Sie einmal keine Zeit für die Pflege haben dann schieben Sie diese besser auf einen anderen Tag auf. Ein eingelaufenes Aquarium ist in dieser Hinsicht sehr tolerant und übersteht auch mehrere Tage ohne Ihre Hilfe.

4.1 Fütterung

Sie sollten die Tiere an 6 Tagen in der Woche füttern und dann einen Fastentag einlegen, an dem sich das Aquarium etwas erholen kann. Die Fütterung sollten Sie dann vornehmen wenn Sie selber auch etwas Zeit haben, die Fische zu beobachten: Fressen alle Fische? Wenn nicht dann prüfen Sie die Ursache (Krankheit/Überfütterung/Angst vor Artgenossen) und stellen diese soweit wie möglich ab.

Kaufen Sie im Fachhandel geeignetes Futter in der kleinsten möglichen Menge, z.B. Flockenfutter für die Tiere der oberen Wasserschicht und Tablettenfutter für die Bodenbewohner. So können Sie häufiger einmal das Futter wechseln und haben immer relativ frisches Futter. Das würden Sie sich selber wahrscheinlich auch wünschen, oder?

Am besten füttern Sie die Fische zweimal täglich, morgens und abends, mit sehr wenig Futter. Wenn die Fische das Flockenfutter nicht in 5 Minuten aufgefressen haben dann haben Sie zuviel gefüttert und sollten das überschüssige Futter mit dem Kescher entfernen. Futtertabletten sollten nach 20 Minuten verputzt sein. Fische brauchen im Vergleich zu Ihrer Körpergröße sehr wenig Futter da Sie die Energie nur für die Fortbewegung, nicht aber für die Erwärmung Ihres Blutes benötigen, das Sie wechselwarme Tiere sind.

Wenn Sie dauerhaft zuviel füttern dann verschlechtern sich Ihre Wasserwerte und die Belastung mit Giftstoffen nimmt zu, der Sauerstoffgehalt durch die Abbauprozesse hingegen ab. Außerdem werden Ihre Fische anfälliger für Krankheiten, genau wie die Menschen, und können im Extremfall an einer Verfettung der Leber zugrude gehen. Füttern Sie im Zweifel lieber zuwenig als zuviel! Ausgewachsene Fische überstehen übrigens bis zu 3 Wochen ohne Futter.

Ein Leckerbissen für nahezu jeden Fisch ist Lebendfutter wie rote und weiße Mückenlarven oder Artemis-Krebse. Nachdem Sie ihren anfänglichen Ekel überwunden haben müssen Sie dieses Futter in einem speziellen sehr feinmaschigen Sieb gründlich mit handwarmem Wasser spülen, bevor Sie es in einen Futterring geben.

4.2 Wasserpflege

Kontrollieren Sie wöchentlich die Wasserwerte des Aquariums und den Zustand aller technischen Geräte. Täglich sollten Sie die Temperatur überprüfen. An einem Tag in der Woche nehmen Sie einen Teilwasserwechsel vor, bei dem Sie ca. 30% des Wassers ersetzen. Dies können Sie gut mit einer Mulmglocke machen, die als Unterwasserstaubsauger dient und mit der Sie gleichzeitig den Bodengrund reinigen. Das entnommene Aquarienwasser eignet sich wegen seiner Qualität übrigens sehr gut als Gießwasser für Ihre Zimmerpflanzen.

Lassen Sie das neue Wasser am besten über einen Duschkopf in einen Eimer laufen, da bei dieser Gelegenheit das zugesetzte Chlor fast komplett ausgasen kann. Die Zugabe von Wasserpflegemitteln beruhigt den einen oder anderen Aquarianer.

Während des Wasserwechsels müssen Sie die Stabheizung ausschalten, da diese sich sonst überhitzen und zersplittern kann.

4.3 Filterpflege

Den Filter sollten Sie so selten wie möglich reinigen. Ein Reinigungsintervall von 3-6 Wochen (Innenfilter) bzw 2-4 Monaten (Außenfilter) sollte ausreichend sein. Sie erkennen am Wasserdurchfluß, ob der Filter gereinigt werden muß. Erst wenn nahezu keine Strömung mehr feststellbar ist sollten Sie zur Tat schreiten.

Reinigen Sie den Filter nicht klinisch rein, ansonsten dauert es sehr lange bis sich die notwendigen Bakterien wieder ansiedeln. Wenn Sie eine kleine Ecke unbehandelt lassen dann haben Sie schnell wieder einen leistungsfähigen Filter. Die Reinigung nehmen Sie am besten in einem Eimer mit Aquariumwasser vor, um den Bakterien den Kältetod zu ersparen.

Ganz wichtig: Nehmen Sie niemals ohne triftigen Grund einen Filter- und einen Teilwasserwechsel gleichzeitig vor. Damit werfen Sie Ihr Aquarium nahezu auf den Ursprungszustand mit sehr schlechten Wasserwerten und Gefahr für die Fische zurück! Diese Maßnahme ist wirklich nur äußerst selten sinnvoll und darf daher nur nach gründlicher Überlegung und Recherche durchgeführt werden.

4.4 Sonstiges

Regelmäßig Scheiben reinigen, abgestorbene Pflanzenteile entfernen, Pflanzen ggf. beschneiden und Kontrolle des Fischbestandes. Wenn ein Fisch fehlen sollte dann machen Sie sich auf die Suche nach ihm, nicht immer schwimmt ein toter Fisch an der Wasseroberfläche. Ein unentdeckter toter Fisch sorgt für eine schleichende Vergiftung des Wassers. Düngezugabe nach Herstellerangabe, auch hier ist weniger oft mehr.

 

5. Nützliches Zubehör

5.1 Membrampumpe

In Becken mit wenig oder schlechtem Pflanzenbesatz und ohne Oxidator sinkt die Sauerstoffkonzentration vor allem in den frühen Morgenstunden stark ab. Wenn Sie eine Membrampumpe über eine Zeitschaltuhr steuern dann können Sie in dieser Zeit für eine Versorgung der Fische mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff sorgen. Eine Membrampumpe darf bei keinem Aquarium fehlen und ist auch nötig, wenn Sie Krankheiten im Becken haben. Der übermäßige Einsatz hingegen treibt das für die Pflanzen wichtige Kohlendioxid aus dem Becken und verhindert deren Wuchs.

5.2 Kohlendioxid-Düngung (CO2-Düngung)

Für einen prächtigen Pflanzenwuchs werden Sie über kurz oder lang nicht um eine CO2-Düngung herumkommen. Die Pflanzen benötigen nämlich tagsüber dieses Gas zur Photosynthese. Durch den daraus resultierenden kräftigen Pflanzenwuchs stabilisieren Sie wiederum das Biotop, da gesunde Pflanzen die im Wasser vorkommenden Stoffe besser abbauen und auch Algen weniger Chancen zur Ansiedlung bieten.

Achtung: CO2 ist in zu hohen Konzentrationen giftig und wird von den Fischen permanent und nachts auch von den Pflanzen selber ausgeschieden. Machen Sie sich bitte sehr fachkundig bevor Sie eine CO2-Düngung einsetzen und beobachten Sie ihr Becken in den Stunden nach erstmaligem Beginn der Zugabe regelmäßig.

Sollten sich Ihre Fische nach Beginn der CO2-Düngung in der gegenüberliegenden Aquariumecke versammeln dann schalten Sie diese sofort aus und führen mit einer Membranpumpe Luft in das Becken, bis die Fische wieder ihr normales Verhalten zeigen, andernfalls droht eine CO2-Vergiftung und der Tod vieler Fische. Die Luft treibt dann das CO2 recht schnell aus dem Becken heraus.

Eine preiswerte Möglichkeit für den Einstieg in die CO2 Düngung sind Flaschen mit einem Nährstoffkonzentrat und beiliegenden Bakterien, die für ca. 45 Tage CO2 produzieren. Weiter gehts mit Anlagen, die über einen Druckminderer und ein Nadelventil gesteuert werden. Hier finden Sie solche mit Einweg- und solche mit Mehrwegflaschen. Trotz des höheren Einstandspreises sind die Anlagen mit Mehrwegflaschen auf Dauer preiswerter.

Die CO2- Düngung sollte nachts grundsätzlich abgeschaltet werden (manuell oder elektrisch mit entsprechenden Geräten).

5.3 Oxidator

Diese nützlichen kleinen Geräte führen dem Wasser permanent Sauerstoff zu und helfen unseren nassen Freunden bei der Atmung. Betrieben werden Sie mit einer Wasserstoffperoxid-Lösung und einem Katalysator-Stein. Im Gegensatz zu einer Membrampumpe treiben sie das CO2 nicht aus dem Becken und sind daher als Dauerläufer konzipiert.

5.4 UV-Wasserklärer

Diese Geräte werden zwischen Filter und Wasserzufluß eingesetzt und töten Bakterien und z.T. auch Algen ab.

 

6. Links

http://www.ingebrand.de/ - sehr gutes Glossar, witzig geschrieben

http://www.aquarium-bbs.de/ - informativ

http://www.deters-ing.de - für alle die es ganz genau wissen wollen

http://www.jahnke-soltau.de/ujaswelt/aquarium/berechnungen/index.htm - verschiedene Berechnungen rund um die Aquaristik

http://www.wasserfest.de/ - Kleiner Vorgeschmack gefällig? -Viele Aquarien zum Bestaunen

http://www.tropica.com/default.asp - Pflanzen die auf Steinen und Wurzeln wachsen, sehr schön

 

Vielleicht haben Sie nun einen kleinen Einblick in mein Hobby und den einen oder anderen Tip finden können. Einigen meiner Informationen wird sicherlich von anderen Aquarianern widersprochen werden: je tiefer Sie in dieses Hobby einsteigen desto komplizierter und widersprüchlicher wird es. Machnal wünsche ich mir ich hätte weniger Bücher dazu gelesen, aber mein nun gut eingefahrenes Aquarim und der schöne Fisch- und Pflanzenbesatz lassen mich dies vergessen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei diesem Hobby und stehe gerne für Rückfragen unter aquarium(at)netzbetrieb.info zur Verfügung. Wenn Sie ein meinen Ausführungen einen felar gefunden haben dann bitte ich um Benachrichtigung!

 

Viele Grüße und immer eine Handbreit Wasser im Aquarium,

 

Markus Plank